Ziegen-Brief, März 2009

ST. JOSEPH
HIV/AIDS Selbsthilfegruppen
MWEIGA -KENYA

Ziegenprojekt
Fortschrittsbericht 31. März 2009

initiiert von Ulrich Frey,
finanziert durch zahlreiche Spender und den Missionskreis der Katholischen Pfarrgemeinde Arzberg/Ofr.

Projektgründung

Die Entstehung des Ziegenprojektes geht zurück auf den Besuch von Ulrich Frey und einer Gruppe Freunde zusammen mit Heidrun Göttler, Projektreferentin bei MISSIO München bei unserer Gruppe im Oktober 2005. Die Mitglieder der Selbsthilfegruppen zeigten die Bedeutung der Ziegenmilch und ihre stabilisierende Wirkung auf den Gesundheitszustand der AIDS-Kranken auf. Die Ziegenmilch stärkt das körpereigene Immunsystem der Patienten und hat einen hohen Nährwert, wie Ernährungs- und Gesundheitsfachleute immer wieder betonen. Die Verwirklichung eines Ziegenprojektes scheiterte bisher allerdings an den fehlenden Geldmitteln. Bestärkt durch die Hilfe, die Ulrich Frey in Aussicht stellte, wurden schon bald die ersten Schritte von den AIDS-Kranken (PLWHAs = people living with HIV AIDS = HIV-positive Personen) verwirklicht:

  1. der Bau von Ziegenställen
  2. der Anbau von Ziegenfutter in den Gärten, auf den Feldern der PLWHAs und
  3. die Schulung der Teilnehmer für die Ziegenhaltung

Erklärtes Hauptziel des Projektes war, durch die Ziegenmilch die Lebensqualität der PLWHAs und eine gute Gesundheit durch eine bessere und ausgewogenere Ernährung zu steigern. Außerdem sollte das Haushaltseinkommen durch den Verkauf der „Überschuss-Milch“ gesichert und erhöht und so das Armutsrisiko überwunden werden. Mit den ersten Projekt-Spenden von Ulrich Frey soll auf dem Gelände der St.-Josephs-Brüder eine Ziegenzucht aufgebaut werden, was folgende nächste Schritte erforderte:

  • Anlegung von Pferchen und Weiden
  • Ankauf von Zuchtziegen
  • Ausbildung in Ziegenhaltung für die ersten „Ziegenhalter“
  • Kauf von 10 weiblichen Ziegen
  • Übernahme der Verwaltungskosten durch die Caritas Nyeri

Der folgende Bericht beschreibt die wichtigsten Aktivitäten, die schon für das Ziegenprojekt unternommen wurden.

Die St.-Josephs-Brüder

Die St.-Josephs-Brüder von Mweiga sind ein Orden, der seinen Ursprung in der Erz-Diözese Nyeri hat. Die Brüder sehen es als einen Teil ihres Missions-Auftrags verschiedene Gemeinschafts-Entwicklungs-Programme aufzubauen und durchzuführen, die insbesondere den Armen und wirtschaftlich Benachteiligten in der Diözese Nyeri zugute kommen, aber auch in folgenden Diözesen:

  • Nyeri
  • Marsabit
  • Meru
  • Kitui
  • Murang'a
  • Nakuru
  • Mombasa (im Aufbau)

Im Einklang und in Abstimmung mit den diözesanen Richtlinien verwirklichen die St.-Josephs-Brüder spezielle Programme für die Gemeinschaftsentwicklung und Wohlfahrtspflege.

Die Brüder sehen ihre Hauptaufgaben darin,

  • sich besonders der Bedürftigen und Unterdrückten anzunehmen
  • mit den Gemeinschaften zu arbeiten und ihnen zu helfen, ihre Bedürfnisse vorzubringen
  • den Gemeinschaften zu helfen ihre Teilnahmslosigkeit zu überwinden, damit sie ihre Situation annehmen, sie analysieren und die notwendigen Maßnahmen zur Überweindung ergreifen

Die St.-Joseph HIV/AIDS Selfhelpgroup ist eine von den zahlreichen Maßnahmen, die von den Brüdern im Konvent von Mweiga im Jahre 2001 gegründet wurden. Am 13. Juni 2003 wurde die Gruppe als CBO (= community based organisation = gemeinschaftsbezogene Organisation) von der Regierung anerkannt. Diese Selbsthilfegruppe ist offen für alle Menschen unabhängig von Rasse, Religion, Konfession oder Herkunft.
Das Hauptziel der Selbsthilfegruppe ist Neu-Infizierungen mit HIV/AIDS zu verhindern, AIDS-Kranken psychosoziale Hilfe anzubieten und sie zu unterstützen. Eines der zahlreichen Projekte der Selbsthilfegruppe ist das Ziegenprojekt.

Ziele des Ziegenprojektes

Das oberste Ziel des Ziegenprojektes ist es, den Gesundheitszustand der PLWHAs zu verbessern und deren Einkommen zu erhöhen - durch die Ziegenhaltung, die nur ein kleines Stück Land erfordert und auch an die Menschen keine großen Anforderungen stellt.

Die geplanten Aktivitäten

Das Ziegenprojekt sollte innerhalb eines Jahres verwirklicht werden. Die Caritas Nyeri, eine Einrichtung der Erzdiözese, die selbst Entwicklungsprogramme durchführt, war bereit das Ziegenprojekt durch Ausbildung und Technische Unterstützung mit aufzubauen. Geplant wurden folgende Maßnahmen:

  • Gespräche in den Selbsthilfegruppen und Gemeinschaften führen
  • Auswahlkriterien für die Ziegen-Begünstigten
  • Beitrag der Gemeinschaften
  • Nachhaltigkeit
  • Einführungen und Ausbildungen
  • Die Errichtung der Ziegen-Pferche auf dem Gelände der Brüder
  • Bau der Ziegenställe bei den Ziegen-Begünstigten
  • Auswahl der Ziegen, die angekauft werden
  • Vergabe der Ziegen
  • Kontrollierte Begleitung

Arbeitsergebnisse

Einschätzung durch die Gemeinschaften
Nach der Phase der Bewusstmachung und den „Ermutigungs-Treffen“ entwickelten die einzelnen Gemeinschaften selbst ihre eigenen Auswahlkriterien für die Personen, die als erste eine Ziege erhalten sollten. Dabei erkannten die Brüder und die Caritas Nyeri die Notwendigkeit Auswahlkriterien zu erarbeiten, um den Mitgliedern zu helfen, das Projekt zu ihrem eigenen zu machen und es nachhaltig zu verankern. Enthaltene Aspekte waren:

  • Die Organisation der Gemeinschaft
  • Auswahlkriterien für die Ziegen-Begünstigten
  • Der Beitrag der Gemeinschaft
  • Die Bedeutung des Projektes
  • Möglichkeiten und Empfehlungen
  • Nachhaltigkeit
  • Überwachung und Einschätzung (Evaluation)

Beitrag der Gemeinschaft

Etwa 95% der Begünstigten/der Gemeinschaften waren bereit einen Eigenanteil einzubringen z. B. in Form von

  • Bau der Ziegenställe nach den vorgegebenen Plänen
  • Bezahlung für die Gesundheitssorge
  • Füttern der Ziegen
  • Bestärkung des Projektes durch die Teilnahme an den Kursen, Sitzungen und das Einverständnis, den ersten Ziegen-Nachwuchs an die nächsten Begünstigten weiterzugeben.
  • Die Schulung bekann und die Ziegenställe wurden auf dem Gelände der Brüder errichtet. Beim Bau der Stallungen wurden die Begünstigten von den Brüdern und der Caritas begleitet. Als alles fertig gestellt war konnten die ersten 20 Milchziegen an die ausgewählten Begünstigten PLWHAs überreicht werden. 3 wurden bei den Brüdern behalten - 1 Bock und 2 Ziegen. Ermöglicht durch weitere Spenden konnten nochmals 16 Ziegen gekauft und an PLWHAs weitergegeben werden. Mittlerweile konnten auch 8 Jungziegen von der ersten Ziegen-Ausgabe ebenfalls an Begünstigte weitergegeben werden. So konnte durch das Ziegenprojekt bis jetzt 37 Ziegen beschafft und weitergegeben werden.

Auswirkungen des Ziegenprojektes

Das Ziegenprojekt ist einzigartig in Mweiga und hat den PLWHAs viele Vorteile gebracht. Mit den Ziegen hat sich das Leben und der Lebensstandard und der Gesundheitszustand der PLWHAs verbessert. Die meisten Mitglieder sind Kleinstbauern mit nur sehr wenig Land für Grünfutter und zum Weiden von Tieren und so bevorzugen sie eher die Ziegen, die mit wesentlich weniger Weidefläche auskommen.
Durch den Verkauf der Jungziegen und der Ziegenmilch konnte das Einkommen gesteigert werden. Die Nachfrage nach Ziegen und Milch ist gegeben. Zahlreiche Mitbürger haben sich als HIV-positiv geoutet um in den Genuss des Programms der Brüder zu kommen. Mittlerweile sehen die meisten Mitglieder das Projekt als ihr eigenes und das schafft Sinn für Verantwortlichkeit und Nachhaltigkeit.
Alle Mitglieder einer Familie, die eine Ziege erhielt, sind in die Ziegenversorgung mit eingebunden. Die PLWHAs werden aktiver im Melken und Füttern und die Stigmatisierung und Diskriminierung der PLWHAs ist stark zurückgegangen. Neben den ARV's (Medikamente für AIDS-Kranke), die die Abwehrkräfte des Körpers stärken erhöht die Ziegenmilch die Abwehrkräfte weiter. Die Ziegenmilch wird nicht nur von den AIDS-Kranken, sondern auch von den anderen Familien- oder Gemeinschaftsmitgliedern zur Erhaltung der Gesundheit getrunken. Und sogar die Krankenhäuser kaufen die Ziegenmilch für ihre Patienten auf.
Das Landwirtschaftsministerium intensiviert die Aufklärung der Bauern in Ziegenhaltung. Es besteht ein gutes Verhältnis zwischen den PLWHAs und den Menschen, die bei Ihnen Milch und Ziegen kaufen.
Der Gesundheitsbeauftragte im Distrikt Mweiga ist sehr dankbar für das Ziegenprojekt, das den Gesundheitszustand der Gemeinschaften verbessert und das Einkommen der Armen erhöht hat. Tatsächlich erwarten wir durch den weiteren Zukauf von Ziegen künftig eine Verbesserung der Gesundheit und eine Steigerung des Einkommens für mehr Mitmenschen.

Veränderungen im Projekt

Neben dem Geld zum Bau der Ziegenställe auf dem Gelände der Brüder und zum Kauf von 37 Ziegen erhielten wir durch das Engagement und die Aktivitäten von Ulrich Frey und anderen Freunden Geld für weitere Bedürfnisse der Selbsthilfegruppen. Die Überweisungen erfolgten durch MISSIO München. Wir entschieden uns, sie für die Ausstattung unseres VCT (AIDS-Test- und -Beratungs-Zentrum) mit ARVs für AIDS-Kranke zu verwenden. So können sie das für die Fahrt ins Krankenhaus eingesparte Geld für den Kauf von gesunden Nahrungsmitteln verwenden. Die Medikamente erhalten sie jetzt in ihrer Nähe und sie können das Fahrgeld einsparen.
Das Gesundheitsministerium gibt über unser VCT die ARVs kostenlos ab und stellt auch eine Krankenschwester, nachdem es sich von unserer Arbeit überzeugt hatte. Durch die Spenden waren wir in der Lage in der Trockenzeit Nahrungsmittel zu kaufen die wir den AIDS-Kranken gaben, wir konnten das Schulgeld für die AIDS-Waisen der Ärmsten bezahlen.

  • Wir beherbergten 2 Mädchen (Heidi und Katrin) aus Deutschland, die 2 Wochen lang mit uns lebten und die Selbsthilfegruppen besuchten
  • Wir konnten eine Digitalkamera kaufen um unsere Rechenschaftsberichte mit Fotos anschaulicher zu gestalten und den Spendern besser einen Eindruck von unserer Arbeit vermitteln zu können
  • Wir ließen ein Dokumentations-Video mit einigen Ergänzungen machen über die Entwicklung des Ziegenprojektes
  • Wir konnten die Verwaltungskosten für das Ziegenprojekt bestreiten.

Unsere Ziele und Vorhaben im Jahr 2009:

  • Zukauf von 35 Ziegen um die Zahl der Ziegen-Begünstigten auf 100 AIDS-Kranke zu erhöhen (ca. 5250 Euro)
  • Die Registrierung des Ziegenprojektes mit dem DGAK (Dairy Goat Association of Kenya = Kenyanischer Ziegenzuchtverband) mit dem Ziel, dass die AIDS-Kranken dadurch einen höheren Gewinn erzielen können. Sie können dann die Ziegenmilch schneller an Kooperativen verkaufen als an Einzelpersonen, die meist nicht pünktlich bezahlen. (ca. 250 Euro)
  • Intensivere Schulungen durch die Caritas: in Ziegenhaltung, Kaninchenzucht, Mikrofinanzprojekte. Das soll die Gemeinschaft in ihren wirtschaftlichen Aktivitäten stärken und deren Einkommen in Zukunft erhöhen (ca. 650 Euro)
  • Kauf eines Fahrzeuges (Finanzierung durch Spenden oder durch Gewinnung örtlicher Spenden von Freunden des Ziegenprojektes) zur wesentlichen Erleichterung der Betreuung der Gemeinschaften, der Begleitung des Ziegenprojektes, zur Förderung der Nachhaltigkeit, etc. (ca. 8500 Euro)

Besonderer Dank

Unsere aufrichtige und tief empfundene Anerkennung gilt all jenen, die unser Ziegenprojekt regelmäßig unterstützen, ganz besonders denjenigen, die dieses Projekt angestoßen und ermöglicht haben: der Arzberger Pfarrgemeinde durch Ulrich Frey, der unermüdlich Spenden für das Projekt beschafft, Herrn Siegfried Michl, Hern Günter Prechtl, die MISSIO-München-MitarbeiterInnen, Manfred Lösch und all die Menschen guten Willens, durch deren großzügige Spenden wir uns anerkannt und geschätzt fühlen.

Gott segne und beschütze Euch alle

Br. Haron Kamau, Projekt-Koordinator
Steven Waweru, Entwicklungs-Koordinator, Caritas Nyeri

So können Sie helfen

Spenden für das Ziegenprojekt können Sie mit dem Vermerk „Ziegen“ auf das Konto des Missionskreises Arzberg bei der VR-Bank Marktredwitz, Konto-Nr. 205422124, BLZ 781 600 69 überweisen. Das Katholische Pfarramt Arzberg stellt Spendenquittungen aus.

Kontaktadresse
Projekt „Ziegen für Mweiga“
GR Ulrich Frey, Seußener Straße 4, D-95659 Arzberg, Tel. +49(0)9233/7131-81, Fax -82
Mobil 0170-8318416
www.ziegen-fuer-mweiga.de

Aktueller Datenstand: März 2009

Wünschen Sie Info-Material oder möchten Sie uns einladen, bei Ihnen das Ziegenprojekt vorzustellen, dann wenden Sie sich an:

Ulrich Frey, Gemeindereferent, Seußener Str. 4, 95659 Arzberg-Röthenbach, Tel. 09233-713181, Fax 713182
email: info@schenken-und-helfen.de

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